Projektbesuch in Togo: Für eine Arbeit fern von moderner Sklaverei

Die Kooperative in der Projektregion Kara hat Mitglieder, welche in der Vergangenheit ausgebeutet wurden.

Moderne Sklaverei ist auf der Welt weit verbreitet – auch in Westafrika. Dabei werden Menschen brutal ausgebeutet. Die Erkenntnis, dass die Projekte von Brücke Le Pont den Betroffenen einen Ausweg bieten, ist deshalb umso wichtiger.

Moderne Sklaverei gehört nicht der Vergangenheit an. Die Zahlen der International Labour Organization (ILO) und der Menschenrechtsorganisation «Walk Free» zeigen, dass weltweit fast 50 Millionen Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten. Einem hohen Risiko, Opfer von moderner Sklaverei zu werden, sind Menschen aus Subsahara-Afrika ausgesetzt.

Dieser Anfälligkeit für Ausbeutung sind wir uns bei Brücke Le Pont bewusst. Denn wir sprechen mit den Menschen und hören ihren Geschichten zu. So integriert heute das Projekt Kara, welches wir während Jahren zusammen mit der togolesischen NGO Parrains Tiers-Monde (PTM) in der gleichnamigen Region Kara in Zentraltogo durchgeführt haben, Opfer von moderner Sklaverei wieder in den Arbeitsmarkt und gibt ihnen eine Perspektive.

Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, denn diese Menschen haben traumatisierende Erfahrungen gemacht. Eine beispielhafte Geschichte, der wir zugehört haben, handelt von einem Mann, welcher monatelang unter Bedingungen der modernen Sklaverei arbeiten musste. Er hat ein ganzes Jahr keinen Lohn erhalten. «Ich wurde immer vertröstet: «Morgen», hiess es jeweils von den Plantagenbesitzern, wenn ich nach meinem Lohn fragte», so der Mann. Schliesslich habe er ein Fahrrad erhalten. Als Lohn. Für ein Jahr Arbeit in moderner Sklaverei. Damit sei er über Benin zurück nach Togo gefahren. Und hat dort PTM und das Projekt Kara von Brücke Le Pont kennengelernt.

Haus und Familie

Heute hat der Mann wieder Hoffnung geschöpft. Er schloss sich einer Kooperative von Arbeiter*innen an, die landwirtschaftliche Dienstleistungen wie Pflügen, Aussäen oder Ernten anbieten. Die Kooperativen entstanden aus einer von PTM lancierten Initiative, welche für faire Arbeitsbedingungen in der Landarbeit einsteht. Als neues Mitglied einer dieser Kooperativen verdient er nun einen fairen Lohn, hat seine Kompetenzen verbessert und arbeitet unter besseren Bedingungen.

Die Arbeitgeber*innen halten sich an vertraglich festgelegte Richtpreise, welche ihm ermöglicht haben, ein Haus zu bauen. Er hat geheiratet und ist Vater geworden – ein gutes Zeichen, nicht nur wegen des Kinderglücks, sondern auch weil es zeigt, dass sein Einkommen reicht, um für eine Familie zu sorgen. Er sagt, die Kooperative biete den jungen Menschen in seinem Dorf eine Alternative zur Abwanderung, welche in so vielen Fällen in moderner Sklaverei mündet.

Beeindruckende Erfolge

Mit PTM hat Brücke Le Pont während vieler Jahre zusammengearbeitet. Die Ziele des Projekts haben wir einvernehmlich als erreicht erklärt. Das Projekt liegt nun in den Händen der Akteur*innen vor Ort, es liegt an ihnen, die gemeinsam initiierten Veränderungen weiterzuführen. Letztlich verfolgt Brücke Le Pont einen Ansatz, der keine Abhängigkeiten schafft, sondern der nachhaltigen Wirkung verpflichtet ist. Und das bedeutet, dass ein Projekt auch ohne Brücke Le Pont weiterwirken muss.

So ist es umso eindrücklicher, zu sehen, wie stark die Arbeit von PTM in der Region verankert ist und weitere Wellen schlägt. Denn eigentlich war das Projekt so aufgestellt, dass die Arbeitsbedingungen in der Landarbeit verbessert werden, damit der Mangel an Arbeiter*innen behoben werden kann. Dass die Initiative heute nicht nur das, sondern auch den Kampf gegen moderne Sklaverei beinhaltet, ist deshalb sehr beeindruckend.


Nicole Bolliger, Brücke Le Pont