Nach dem Kaffee am Besammlungsort der KAB AG im Badener Chorherrenhaus brachte uns das Postauto nach Ehrendingen, wo wir von Christa und Claudio Eckmann begrüsst wurden und bald viel Neues erfuhren
Die Gipsgrube von Ehrendingen gehört zu den bemerkenswertesten geologischen Orten des Kantons Aargau. Sie liegt in einer Mulde zwischen den beiden Schenkeln der Lägern und gewährt einen seltenen Einblick in den inneren Aufbau der Jurafaltung. Gips wurde vor ca 200 Mio Jahren in einem Flachmeer abgelagert und später von verschiedenen Kalkschichten überdeckt. Erst die Jurafaltung und die Erosion der Falte brachte den Gips wieder an die Oberfläche. Schon seit dem Mittelalter wurde hier Gips abgebaut. Der Rohstoff wurde in mehreren Gipsmühlen verarbeitet und vor allem als Dünger für die Landwirtschaft verwendet. Der Abbau dauerte über Generationen und kam erst in den 1960er-Jahren mit dem Aufkommen moderner Kunstdünger zum Erliegen. Aus dem ehemaligen Abbaugebiet ist ein wertvolles Naturreservat geworden, das von Pro Natura gepflegt wird.
Der „Gipsgrubenheiland“ Johann Urban Frei
Mit der Gipsgrube untrennbar verbunden ist Johann Urban Frei (1910–1978), besser bekannt als der „Gipsgrubenheiland“. Der aus Oberehrendingen stammende Frei war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit: Naturforscher, Fossiliensammler, Geologe und Eigenbrötler zugleich. Fast dreissig Jahre lebte er in einer selbstgebauten Holzhütte oberhalb der Gipsgrube. Ohne akademische Ausbildung eignete er sich ein erstaunliches Wissen über Geologie, Fossilien und Pflanzenwelt an und machte zahlreiche bedeutende Funde. Dazu gehörten Fossilien, ein Plesiosaurier-Knochen sowie sogar ein jungsteinzeitliches Werkzeug. Der Übername „Gipsgrubenheiland“ entstand aus einer Mischung von Bewunderung, Spott und Anerkennung. Frei lebte bescheiden, sammelte Altmetall, beobachtete die Natur und verbrachte den grössten Teil seines Lebens in und um die Gipsgrube. In Ehrendingen gilt er als Original, als Naturfreund und als einer der besten Kenner der Lägern seiner Zeit.
Vor der Verabschiedung – mit grossen Dank an das Ehepaar Eckmann – zeigten sie uns noch ein passendes Video und Fotos. Dann gings abwärts Richtung „Engel“. Aber daneben steht noch eine schöne Kapelle, die der hl. Agata geweiht ist. Unser Kantonalpräsident und Organisator Franz Dahinden wusste Interessantes zu erzählen.
Nach feinem Speis und Trank im „Engel“ hörten wir von Brigitta Huppenbauer noch die spannende Sage vom „Heidewiibli“, welches eine Höhle in der felsigen Lägern bewacht.
Für die 25 Teilnehmer, viele davon aus Würenlos, war der kantonale Wandertag dank Franz ein sehr schönes Erlebnis!
Karl Wiederkehr, Würenlos, KAB Würenlos