Dieses Bild hat ChatGPT auf folgenden Auftrag hin erstellt: «Ich muss einen Artikel illustrieren zum Thema ‹Gott ist grösser als Du denkst …› – so lautet eine häufig gehörte Aussage. Ist das nicht auch mit der KI so?»
Gott ist grösser, als Du denkst … – so lautet eine häufig gehörte Aussage. Ist das nicht auch mit der KI so?
Wenn ich heute Menschen über KI, künstliche Intelligenz, reden höre, erinnert mich vieles an Gottesbilder aus dem Ersten Testament. Wie in den Geschichten des Volkes Israel schwebt die Cloud (die Wolke) über uns allen! Und wie der Gott etwa in den Gotteserscheinungen des Elija wird uns die Künstliche Intelligenz bald als allwissend, bald als brandgefährlich und gewaltig zerstörend beschrieben – vom säuselnden Wind zum grollenden Donner. Und wenn die Menschen von KI berichten, dann brauchen sie oft eine Sprache, als ob sie mit einem Menschen, einem echten Gegenüber, «gesprochen» hätten.
Dass wir die Künstliche Intelligenz mit diesen Bildern der Allmacht, des Faszinierenden wie auch Erschreckenden verbinden, liegt weniger an der KI als viel mehr an uns Menschen. Zum einen wissen wir alle um unsere Begrenztheit und oft auch Fehleranfälligkeit. Zum andern träumen wir von heilen Welten, endgültigen Gerechtigkeiten und – um es etwas einfach zu sagen – vom Himmel auf Erden. Dies – so eine weitere Annahme – hoffen wir dann jeweils durch eigenes Tun und Können möglichst umfassend selber «machen» zu können.
Zum andern haben es dann technische Entwicklungen und Erfindungen an sich, dass sie diese Wunschvorstellungen zu erfüllen scheinen, vor allem dann, wenn sie unser Vorstellungsvermögen in riesigem Masse übersteigen. Vor der KI war das z.B. in den 1990er Jahren der Fall, als die DNA des Menschen erstmals vollständig analysiert werden konnte.
Und dann kommt noch hinzu, dass wir durch die Sprache, insbesondere die Namensgebungen, Realitäten schaffen, die nicht zwingend den Tatsachen entsprechen müssen. Ob KI nämlich tatsächlich «künstlich» ist und vor allem, ob es sich dabei um «Intelligenz» handelt, ist wohl übertrieben. Das englische Wort «intelligence» meint nämlich lediglich «Information» – und somit weit weniger als das deutsche «Intelligenz», das wir als Übersetzung brauchen.
Die KI ist also viel eher eine Art clevere Maschine, deren Funktionsweise einfach die allerwenigsten verstehen, obwohl sie alle die Maschine benutzen. Und wir lassen uns dann täuschen, wenn die maschinell produzierten Ansammlungen von Buchstaben wie menschliche Sprache klingen.
Doch aufgepasst: Sätze zu produzieren, die wie unsere Sprache tönen, heisst noch lange nicht, dass damit auch Sinn verbunden ist – geschweige denn Emotionen. Diese beiden Dimensionen – Sinn und Emotion – legen wir als Lesende in den Text!
Und damit beginnt auch die Faszination zu funktionieren, wenn wir der KI, also diesen Maschinen, die aufgrund von gefütterten Daten («intelligence») und Algorithmen (Regeln) Buchstabenfolgen produzieren, die so aussehen, als hätten Menschen sie geschaffen, mit Bildern begegnen, die uns an Gottesbilder des Ersten Testaments erinnern.
Ich erinnere mich darum gerne an ein Interview mit einem Techniker, der sagte, er nenne KI immer «Salami»! Es ist erstaunlich, wie dies unser Reden und Denken über KI verändert. Ich darf Ihnen versichern: dieser Text wurde nicht mit Salami geschrieben … und es liegt an uns, worauf wir unsere Hoffnungen legen! Dort nämlich ist unser Gott zu Hause.
Thomas Wallimann, Leiter «ethik22»