Sinn der Weihnacht

Wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit
wird schön gesungen, weit und breit,
dass die Welt einst ging verloren,
Christ, der Retter, ward geboren.

Christenheit, nun freue dich!
Doch warum, fragt mancher sich.
Was geschah vor langer Zeit,
ist das von Bedeutung heut‘?

Sagt, wo ist die Freude hin?
Wie entstellt der Weihnacht Sinn.
Keine Ruhe, Stress, Rumlaufen,
wie im Rausch Geschenke kaufen,
schwer im Magen liegt das Essen,
Sinn der Weihnacht ganz vergessen?

Gott ward Mensch, kam auf die Erde,
dass Versöhnung, Frieden werde.
Dies ist doch der Grund zur Freude,
für uns Menschen, auch noch heute.

Brunhilde Rusch

Weihnachten nur ein Feiertag?

Weihnachten ist weit mehr als ein Feiertag, an dem wir Geschenke bekommen und mit unseren Lieben zusammensitzen. Weihnachten ist viel mehr als eine Zeit zum Feiern! Es ist eine Zeit zum Nachdenken, eine Zeit, sich an das Gute zu erinnern im eigenen Sein, im eigenen Umfeld, in der Gesellschaft, in der wir uns bewegen und wo immer unsere Vernetzungen hinführen. Es ist eine Zeit, Bilanz zu ziehen über die vergangenen Monate und Pläne für die Zukunft einzuberufen. Je nach der eigenen Altersskala denken wir hier an einen kürzeren oder längeren Zeitraum.

Hoffnung und Frieden

Weihnachten ist mehr als ein Fest der Lichter und Geschenke – es ist ein Aufruf nach Hoffnung und Frieden. Die Lichter symbolisieren unsere eigene innere Wärme. In der Welt von heute, die uns allzu oft mit Lärm, Hektik und Konflikten begegnet, werden wir daran erinnert, dass echter Frieden nicht nur Abwesenheit von Krieg bedeutet, sondern das bewusste Bemühen, einander mit Respekt, Verständnis und christlich geprägter Nächstenliebe zu begegnen.

Frieden beginnt im Kleinen: Wenn wir Brücken bauen in unseren Familien, Freundeskreisen und Gemeinschaften – da gehören wir als KAB ganz sicher auch dazu –, können wir beitragen, dass sich dieser Geist, der mit dem Kind aus der Krippe gestärkt wird, über Grenzen hinweg ausbreiten kann.

Gott kommt zu den Menschen

Den Schlüssel dazu können wir in der Weihnachtsgeschichte finden. Die Menschwerdung Gottes im einfachen Stall – getragen von der Mutter Maria und dem Nährvater Josef, den staunenden Hirten – deutet an, dass Wesentliches nicht unbedingt im grossen Stil über die Bühne gehen muss.

Als menschlich begreifbares Zeichen, dass hier etwas Aussergewöhnliches geschieht und Gott zu den Menschen kommt, künden Engel die Geburt unseres Erlösers an. Wir alle kennen, wie es mit der Weihnachtsgeschichte seit mehr als 2000 Jahren weitergeht. Immer wieder feiern wir Weihnachten – es ist jedes Mal weit mehr als ein Pomp mit Lichtern und Geschenken. Das wahre Geschenk liegt darin, dass Gott selber zu uns kommt (kommen möchte).

Weihnachten nicht nur an Weihnachten

Und jetzt haben wir einen wahren Grund zum Feiern und Danken. Wer dankbar ist, sieht nicht nur, was fehlt, sondern erkennt, was bereits da ist – Menschen, die uns begleiten, der Glaube, der uns stärkt, und die Chancen, die uns geschenkt werden. Spüren wir nicht immer wieder, wie Gott direkt und / oder im Mitmenschen zu uns kommt? Weihnachten will uns auch daran erinnern, dass Frieden und Dankbarkeit nicht nur Worte sind, sondern immer wieder Entscheidungen, die – wenn wir sie gemeinsam treffen und ausüben – die Welt ein Stück heller machen. Das wären dann die wahren Weihnachtslichter!

Weihnachten und die KAB

… Und wie wirkt Weihnachten in unsere KAB hinein? Wo schenken wir, wo danken wir, wo feiern wir, wie treffen wir Entscheidungen, was erwarten wir? Erwarten wir nicht auch einen Neubeginn im Verband, der so eine Art von Geburt sein soll? Eine Geburt ist eine Verwandlung des Lebens vorher und danach. Genau da haben wir am 18. Oktober an der Generalversammlung die Entscheidung getroffen, die bisherige KAB in eine geöffnete Verbandsgemeinschaft von Menschen, die nach Orientierung und Halt in den christlichen Werten suchen, weiterleben zu lassen.

Warum haben wir dem Konzept «KAB 2026 Plus» zugestimmt, obwohl die Mitgliederzahlen seit Jahrzehnten sinken? Wir glauben, dass die Wertvorstellungen unserer christlichen Basisbewegung gerade in der Gesellschaft von heute Wegweiser für politisches, kirchliches und gesellschaftliches Miteinander sein können. Mindestens lohnt sich der Versuch zur Umgestaltung. Er ist auch so eine Art Neugeburt, dies auch mit dem Wissen, dass nicht jede Geburt Leben weiterträgt.

Wir moderne Menschen stellen manchmal hohe Ansprüche an uns selbst und unser Umfeld. Kann da die Realität unseren Verband zum Weiterleben verhelfen? Wie geht das mit den Wünschen an Weihnachten, die vielleicht sogar zum Geschenk werden? Ich weiss jetzt, mit welchem Wunsch ich mich zu den Hirten gesellen werde, wenn ich die Krippe 2025 aufsuche.

Der Satz von Martin Luther gibt die Zuversicht:

«Die Geburt Jesu in Bethlehem ist keine einmalige Geschichte, sondern ein Geschenk, das immer bleibt.»


Franz Dahinden, Co-Präsident KAB Schweiz

Titelbild: Rhätische Bahn zwischen La Punt-Chamues-ch und Madulain (David Gubler, bahnbilder.ch)

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert